Freitag, 15. November 2013

WG-Leben: Zwischen Autos knacken, Kakerlaken und Zwangsräumungen - Teil 1

Endlich angekommen, konnten wir erstmal richtig durchatmen. Und als wir das Haus sahen, staunten wir nicht schlecht…ein eigenes  Zimmer und die Wohnung  und Küche für uns vier allein. Und erst die wunderschöne Aussicht von der Terrasse…einfach traumhaft. Lediglich geputzt werden musste die Wohnung mal richtig, da unser Vermieter „Jonathan“  den ganzen Tag arbeiten musste und somit fast nie in der Wohnung und diese dementsprechend staubig war.

Nachdem wir unsere Klamotten alle ersteinmal in die Waschmaschine gesteckt und unsere Rucksäcke in die pralle Sonne gelegt hatten, um sie von den Bedbugs zu befreien, ging´s los zum Einkaufen – zum AAAAALDIIII..Was für ein Heimatgefühl J Garkein Vergleich zu unserem zweiwöchigen Instant-Nudel-Marathon, gesponsert von der Woolworths Hausmarke (Chickenstyle). Unsere Ernährung wurde umgestellt: Auf frische Kost bei großen, deutschen Gurken für 50 Cent und 4 Kilo Orangen für 3 Dollar war das auch kein Problem. Wir haben auch gleich für unseren Campingtrip eingekauft. Richtig gute Ultraleicht-Schlafsäcke und eine richtig gute Keramikpfanne für jeweils 20 Dollar (und Domi liebt die Pfanne üüüüüber alles, mehr als Leo, denn auf die Keramik kommt es an :P).

Das erste Mal seit Wochen wurde frisch gekocht, DVD-Abend gemacht (nichts geht über Big Bang Theory) und in der schönen Mittagssonne auf der Terrasse Karten gespielt. Nun konnte die Arbeit- und Autosuche mit neuem Elan weitergehen – „ jetzt erst recht“, dachten wir uns. Also wurden mal eben gefühlte  hundert Anzeigen auf gumtree.com.au  gepostet und mindestens genauso viele Leute kontaktiert. Wir machten uns ellenlangen Listen mit Auto- und Jobangeboten und klapperten diese systematisch ab. Uns wurden teilweise recht interessante Angebote gemacht – von nackter Massage bis zum topless cleaning war fast alles vertreten.

Also konzentrierten wir uns erstmal auf die  Autosuche. Neben vielen Schrottangeboten war auch das ein oder andere Schmuckstück dabei, wie  auch unser Ford Falcon: STUART! Mit gerade mal 13 Jahren, 260 000 Kilometern, 12monatiger Registrierung, neuen Reifen, Campingausrüstung, Navigationssystem und nur 3.400 Dollar schaffte es der silbergraue Vierbeiner von New South Walesischer Herkunft in unsere Herzen.

Allein seine Herkunft wurde uns zum Verhängnis. Zwar konnten wir die  zweistündige Reise nach Tweed Heads auf uns nehmen und somit Abstand von der Großstadt nehmen, um die wunderschöne Landschaft zu entdecken und den Highway zu erkunden. Aber leider brachte dies nicht nur  Vorteile mit sich. So braucht man nämlich, wenn man ein Auto in New South Wales anmelden möchte, auch dort einen Wohnsitz. Natürlich kann dieser auch nur vorrübergehend sein. Wichtig ist nur, dass man ihn auch nachweisen kann. Z.B. durch eine Bestätigung von der Bank. Jedoch haben wir die einstündige Zeitverschiebung zwischen Queensland und New South Wales nicht beachtet, so dass wir eine Stunde später als geplant ankamen und somit alle Banken schon geschlossen waren. Was also tun? Was anderes also tun als auf gut Glück zur Zulassungsstelle zu fahren und zu hoffen, dass es „irgendwie“ schon funktionieren wird.

Dann kam erst einmal die Ernüchterung. Wir müssten irgendwie nachweisen dass wir in New South Wales wohnen. Dominik fiel die Internetecke ins Auge. Wir fragten, ob es auch reicht, eine Buchungsbestätigung für ein Hostel in New South Wales zu haben. Die Frau am Schalter meinte, das geht. Dann kam der Gedankenblitz: Wir buchen einfach eine Nacht in Sydney, drucken die Bestätigung, registrieren das Auto damit und stornieren die Buchung einfach sobald wir wieder in Brisbane sind.

Es hat vielleicht eine Menge Glück dazugehört. Aber: Es hat geklappt! Das Auto war registriert und wir fuhren ersteinmal zum Großmarkt, um uns mit einem Sack Reis und diversen anderen Großpackungen einzudecken, die wir jetzt auch transportieren konnten.

Im Regen ging es dann wieder zurück nach Brisbane. Das Auto wurde ausgeladen. Wir pumpten die Luftmatratze auf (ja, wir haben die 3 Nächte zuvor auf dem nackten Boden geschlafen), und schlossen das Auto ab. Ein böser Fehler.

Am nächsten Morgen wollten wir einen kleinen Ausflug mit Stuart machen. Domi steckte den Schlüssel ins Autoschloss und drehte ihn: nichts passiert. Das ganze nochmal: Wieder nichts.

Nach vielen Versuchen wurde uns klar, dass anscheinend der Schließzylinder kaputt war.  Trotzdem probierten wir es zunächst weiter. Aber der gute Stuart blieb verschlossen. Die Sonne begann zu steigen und uns wurde ein wenig mulmig: Da waren noch Gasflaschen im Auto! Für den Campingkocher!
Wir deckten das Auto mit allem ab was wir hatten um es kühl zu halten: weiße Decken, Folien, etc. Es fand sich beim besten Willen in unserem Haus kein Draht mit dem wir das Auto hätten knacken können. Domi fing dann an die Nachbarn abzuklappern:

„Hallo. Wir sind die neuen Nachbarn. Wir wohnen da drüben in der WG und haben ein Problem. Unser Auto geht nicht auf. Hätten sie einen Draht dass wir es knacken können?“

Beim vierten Nachbarn kam ich dazu. Und siehe da: er reichte uns einen Drahtkleiderbügel. Während wir Mädels drin saßen waren die Jungs draußen damit beschäftigt, das Auto zu knacken. Mit Kleiderbügel, Messer und Küchenlappen dauerte es 20 Minuten bis man von draußen ein „JAAAAA“ hörte. Wir waren überrascht, dass keiner der Nachbarn die Polizei gerufen hatte und freuten uns umso mehr  darüber, wieder in unser Auto zu können.  Für 90 Dollar gab es dann in der Werkstatt etwas außerhalb einen neuen Schließzylinder. Ein neues Ersatzteil hätte – Achtung – 400 Dollar gekostet. So haben wir ein gebrauchtes Teil und dadurch jetzt zwei Schlüssel: einen zum Fahren, und einen zum Aufschließen (was bis jetzt auch wieder super funktioniert ;D


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