Endlich angekommen, konnten wir erstmal richtig durchatmen.
Und als wir das Haus sahen, staunten wir nicht schlecht…ein eigenes Zimmer und die Wohnung und Küche für uns vier allein. Und erst die
wunderschöne Aussicht von der Terrasse…einfach traumhaft. Lediglich geputzt
werden musste die Wohnung mal richtig, da unser Vermieter „Jonathan“ den ganzen Tag arbeiten musste und somit fast
nie in der Wohnung und diese dementsprechend staubig war.
Nachdem wir unsere Klamotten alle ersteinmal in die
Waschmaschine gesteckt und unsere Rucksäcke in die pralle Sonne gelegt hatten,
um sie von den Bedbugs zu befreien, ging´s los zum Einkaufen – zum
AAAAALDIIII..Was für ein Heimatgefühl J
Garkein Vergleich zu unserem zweiwöchigen Instant-Nudel-Marathon, gesponsert
von der Woolworths Hausmarke (Chickenstyle). Unsere Ernährung wurde umgestellt:
Auf frische Kost bei großen, deutschen Gurken für 50 Cent und 4 Kilo Orangen
für 3 Dollar war das auch kein Problem. Wir haben auch gleich für unseren
Campingtrip eingekauft. Richtig gute Ultraleicht-Schlafsäcke und eine richtig
gute Keramikpfanne für jeweils 20 Dollar (und Domi liebt die Pfanne üüüüüber
alles, mehr als Leo, denn auf die Keramik kommt es an :P).
Das erste Mal seit Wochen wurde frisch gekocht, DVD-Abend
gemacht (nichts geht über Big Bang Theory) und in der schönen Mittagssonne auf
der Terrasse Karten gespielt. Nun konnte die Arbeit- und Autosuche mit neuem
Elan weitergehen – „ jetzt erst recht“, dachten wir uns. Also wurden mal eben
gefühlte hundert Anzeigen auf
gumtree.com.au gepostet und mindestens
genauso viele Leute kontaktiert. Wir machten uns ellenlangen Listen mit Auto-
und Jobangeboten und klapperten diese systematisch ab. Uns wurden teilweise
recht interessante Angebote gemacht – von nackter Massage bis zum topless
cleaning war fast alles vertreten.
Also konzentrierten wir uns erstmal auf die Autosuche. Neben vielen Schrottangeboten war
auch das ein oder andere Schmuckstück dabei, wie auch unser Ford Falcon: STUART! Mit gerade
mal 13 Jahren, 260 000 Kilometern, 12monatiger Registrierung, neuen Reifen,
Campingausrüstung, Navigationssystem und nur 3.400 Dollar schaffte es der
silbergraue Vierbeiner von New South Walesischer Herkunft in unsere Herzen.
Allein seine Herkunft wurde uns zum Verhängnis. Zwar konnten
wir die zweistündige Reise nach Tweed Heads
auf uns nehmen und somit Abstand von der Großstadt nehmen, um die wunderschöne
Landschaft zu entdecken und den Highway zu erkunden. Aber leider brachte dies
nicht nur Vorteile mit sich. So braucht
man nämlich, wenn man ein Auto in New South Wales anmelden möchte, auch dort
einen Wohnsitz. Natürlich kann dieser auch nur vorrübergehend sein. Wichtig ist
nur, dass man ihn auch nachweisen kann. Z.B. durch eine Bestätigung von der
Bank. Jedoch haben wir die einstündige Zeitverschiebung zwischen Queensland und
New South Wales nicht beachtet, so dass wir eine Stunde später als geplant
ankamen und somit alle Banken schon geschlossen waren. Was also tun? Was
anderes also tun als auf gut Glück zur Zulassungsstelle zu fahren und zu
hoffen, dass es „irgendwie“ schon funktionieren wird.
Dann kam erst einmal die Ernüchterung. Wir müssten irgendwie
nachweisen dass wir in New South Wales wohnen. Dominik fiel die Internetecke
ins Auge. Wir fragten, ob es auch reicht, eine Buchungsbestätigung für ein
Hostel in New South Wales zu haben. Die Frau am Schalter meinte, das geht. Dann
kam der Gedankenblitz: Wir buchen einfach eine Nacht in Sydney, drucken die
Bestätigung, registrieren das Auto damit und stornieren die Buchung einfach
sobald wir wieder in Brisbane sind.
Es hat vielleicht eine Menge Glück dazugehört. Aber: Es hat
geklappt! Das Auto war registriert und wir fuhren ersteinmal zum Großmarkt, um
uns mit einem Sack Reis und diversen anderen Großpackungen einzudecken, die wir
jetzt auch transportieren konnten.
Im Regen ging es dann wieder zurück nach Brisbane. Das Auto
wurde ausgeladen. Wir pumpten die Luftmatratze auf (ja, wir haben die 3 Nächte
zuvor auf dem nackten Boden geschlafen), und schlossen das Auto ab. Ein böser
Fehler.
Am nächsten Morgen wollten wir einen kleinen Ausflug mit
Stuart machen. Domi steckte den Schlüssel ins Autoschloss und drehte ihn:
nichts passiert. Das ganze nochmal: Wieder nichts.
Nach vielen Versuchen wurde uns klar, dass anscheinend der
Schließzylinder kaputt war. Trotzdem
probierten wir es zunächst weiter. Aber der gute Stuart blieb verschlossen. Die
Sonne begann zu steigen und uns wurde ein wenig mulmig: Da waren noch
Gasflaschen im Auto! Für den Campingkocher!
Wir deckten das Auto mit allem ab was wir hatten um es kühl
zu halten: weiße Decken, Folien, etc. Es fand sich beim besten Willen in
unserem Haus kein Draht mit dem wir das Auto hätten knacken können. Domi fing
dann an die Nachbarn abzuklappern:
„Hallo. Wir sind die neuen Nachbarn. Wir wohnen da drüben in
der WG und haben ein Problem. Unser Auto geht nicht auf. Hätten sie einen Draht
dass wir es knacken können?“
Beim vierten Nachbarn kam ich dazu. Und siehe da: er reichte
uns einen Drahtkleiderbügel. Während wir Mädels drin saßen waren die Jungs
draußen damit beschäftigt, das Auto zu knacken. Mit Kleiderbügel, Messer und
Küchenlappen dauerte es 20 Minuten bis man von draußen ein „JAAAAA“ hörte. Wir waren
überrascht, dass keiner der Nachbarn die Polizei gerufen hatte und freuten uns
umso mehr darüber, wieder in unser Auto
zu können. Für 90 Dollar gab es dann in
der Werkstatt etwas außerhalb einen neuen Schließzylinder. Ein neues Ersatzteil
hätte – Achtung – 400 Dollar gekostet. So haben wir ein gebrauchtes Teil und
dadurch jetzt zwei Schlüssel: einen zum Fahren, und einen zum Aufschließen (was
bis jetzt auch wieder super funktioniert ;D
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